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Dichterwettstreit

Ein Poetry-Slam, so lautet die Definition, ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem selbst geschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum - möglichst mit entsprechender Performance - vorgetragen werden.
Dies und noch viel mehr durften am 26.und 27.6.die Schülerinnen und Schüler der 7A und 6B in einem Workshop aufspüren und erleben. Unter der profunden Leitung der bekannten Slam-Organisatorin Carmen Kassekert und - laut dieser - der hoch talentierten Slammerin Tijana Pajic erfuhren sie, dass "Literatur sehr unterhaltsam" sein kann. (Wertung eines Teilnehmers) Die beiden gestalteten übrigens am 27.6. in Klagenfurt als Kontrapunkt zu den "Tagen der deutschsprachigen Literatur", dem sogenannten Bachmann-Wettlesen, einen Wettbewerb mit dem Titel "dead or alive", bei dem tote Kärntner Literaten wie Ingeborg Bachmann, Christine Lavant oder Gert Jonke jungen Slammerinnen und Slammern gegenüber standen. Nach einer theoretischen Einführung in die Welt des Poetry-Slams und der Vorführung einiger - schockierender - eindrucksvoller – berührender Beispiele ging es ans Werk. Eigene Texte wurden gestaltet und vorgetragen. Von "cool", "einmal etwas ganz anderes", "Literatur kann Spaß machen" bis zu "das ist nicht Meins" reichten die Kommentare der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Eines waren aber sicher alle: betroffen von der Kritik/Trauer/Wut/dem Gefühl, die in Slam -Texten zum Ausdruck kommen. Christine Mohorko
Poetry Slam Text:
Schön
Schön, schön, schön, wir alle sind schön! Du bist, was du isst, Schönheit kommt von innen. Oder doch nicht? Ah, da ist aber ein Pickel auf meiner Stirn, ein Haar das nicht sitzt, ein asymmetrisches Gesicht! Fällt das den anderen auf?
Schön, schön, schön, wir alle sind schön! Ich mache Sport, halte bei der gesunden Ernährung mein Wort, doch was ist das? Ist da etwa eine Speckfalte, die meine Körpermitte schändet? Ein Schandfleck, ein Schandfleck!... Oh wei! Das Muttermal über meiner Lippe, die Augenbrauen, die nicht gleichmäßig schauen! Meine Optik ist ein Grauen!
Schön, schön, schön, Menschen der Medien sind schön! Ihre Haut gleichmäßig und weich wie Seide, eine wahre Augenweide! Ihr Gesicht symmetrisch, als wär’s vermessen, geplant und mit größter Präzision kreiert! Ein Körper, so schlank, dass keine Falte ihren Waschbrettbauch stört, groß und gut gebaut versteht sich, doch auch dürr, mager und zerbrechlich? Mit Augenbrauen, die ihre Sehsensoren umrahmen wie ein Gemälde und Haare, die nicht tanzen aus der Reihe, frisch gepellt aus dem Eie. Aber ist das der Sinn, ist das der Gewinn?
Glück, Glück, Glück, doch ist das wirklich des Menschen Glück? Sind wir  nicht alle unvollständig wie  ein angefangenes und nie fertiggestelltes Puzzle, das uns eine Bekannte vor zwei Jahren zu Weihnachten geschenkt hat, weil sie sonst keine Ideen hatte?
Schön, schön, schön, perfekt, perfekt, perfekt, das ist, wenn man mit sich selbst im Reinen ist, akzeptiert und nicht die Masse imitiert!
Unter folgendem Link finden Sie noch weitere Fotos:
http://www.meinbezirk.at/voelkermarkt/leute/poetry-slam-workshop-d1394980.html


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