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Zeitzeuge im Geschichte-Unterricht

Othmar Mory - 2. Weltkrieg-Zeitzeuge besuchte die 8b Am Donnerstag, den 3. 10. 2013 erzählte uns Othmar Mory (Geburtsjahr 1926) ziemlich genau von der Zeit vorm Krieg, der Zeit währenddessen aber auch von seinem Leben danach. Komplett neu für mich war, dass die jungen Burschen schon vor Kriegsbeginn in den Sommerferien als Soldaten oder zumindest für den Krieg ausgebildet wurden. Eigentlich ist es ja naheliegend, dass sie nicht unausgebildet in den Krieg gezogen sind, aber ich hab noch nie richtig darüber nachgedacht, wann die Ausbildung stattgefunden hat.  (Michaela Ukowitz) Herr Mory erzählte uns einiges über die Situation in Unterkärnten nach dem 2. Weltkrieg, aber auch über die Situation vor dem Weltkrieg, als die NSDAP an die Macht kam und welche Veränderungen (Schaffung von Arbeitsplätzen, Propaganda, NS Regime, HJ …) dies mit sich brachte und schließlich über die spätere Belagerung der britischen Armee nach Kriegsende. Weiters erzählte er uns, wie er mit der Ermordung der Eltern, die von den Partisanen im Mai 1945 verschleppt wurden, umging. Erstaunlicherweise zeigte sich Herr Mory sehr verzeihend und überhaupt nicht nachtragend. Außerdem erfuhren wir, wo er im Krieg eingesetzt war (Flak Gehilfe in Judenburg bzw. bei Arbeitseinsätzen in Klagenfurt und als Gebirgsjäger in Görz).
Da er damals so alt war wie ich jetzt, wollte ich wissen, wie er sich denn fühlte, als er erfuhr, dass er in den Krieg einrücken musste. Er antwortete, dass er schon lange darauf gewartet hatte. Natürlich hatte er große Angst vor seinem Kriegseinsatz und war daher mit wenig Euphorie eingerückt – im Gegensatz zu manchen anderen jungen Leuten.
Das Gespräch hat uns wieder allen die Augen geöffnet und uns wieder einmal verdeutlicht, welch furchtbaren Dinge und wie viel Elend und Leid ein Krieg über die Völker bringt. Herr Mory unterstrich, dass es in einem Krieg nie Gewinner, sondern immer nur Verlierer gibt! (Lukas Puchacher) Das Treffen mit Herrn Mory war für mich persönlich sehr interessant. Es gab mir Einblicke in eine Welt die ich mir nur schwer vorstellen kann. Ich höre zwar immer Daten und Fakten im Unterricht über den 2. Weltkrieg, aber wie sich jemand dabei fühlt, wenn er selbst beteiligt ist, wusste ich noch nicht. Es ist immer spannend zu hören, wenn jemand seine Lebensgeschichte erzählt, besonders wenn man so viel erlebt hat. Besonders gut fand ich auch, als er über seine verstorbenen Eltern berichtet hat und meinte, dass man die Vergangenheit nicht vergessen darf, aber trotzdem für die Zukunft leben muss. Obwohl er im Krieg seine Eltern verloren hat, will er an niemanden Rache ausüben, da er meint, dass ein Krieg keine Lösung ist und man auf friedliche Weise mehr erreichen kann. (Julia Lobnig) Mein Name ist Denise Oswaldi und ich bin froh, dass Herr Mory sich trotz seines Gesundheitszustandes bereit erklärt hatte, unsere Klasse zu besuchen, um uns von seiner Vergangenheit zu erzählen.
Er beschrieb uns die Sommercamps, die er mit schulischer Verpflichtung ab der 6. Klasse besuchte, seinen Einzug im Alter von 17 Jahren, seine Ausbildung und Arbeit. Besonders geprägt hatte ihn der Tod seiner Eltern, die mit ihm noch drei jüngere Geschwister hinterließen.
Mit einer kurzen Zusammenfassung schilderte er die wichtigsten Ereignisse des 2. Weltkrieges und ging in manchen Bereichen auf seine persönliche Erfahrung ein.
Eine seiner Erzählungen, die mir besonders im Gedächtnis blieb, möchte ich gerne genauer erläutern: nämlich seine erste Erinnerung an den 2. Weltkrieg. Als er 8 oder 9 Jahre alt war und mit Freunden auf der Straße spielte, riefen ihn seine Eltern wegen Unruhen plötzlich ins Haus.
Wäre ein Einmarsch von Soldaten oder ein Attentat nicht einschneidender? Und plötzlich dachte ich, dass mit so einer Szene manchmal Filme beginnen, und ich suchte nach dem Grund. Eine solche Szene kündet meist etwas Nachfolgendes, Großes, etwas Schreckliches an. Und da dachte ich mir, vielleicht hatte Herr Mory selbst schon an diesem Tag im Kindesalter ein Gefühl der Vorahnung. Ich kann nicht nachempfinden wie sich der Ausbruch eines Krieges anfühlt, ob die Stimmung der Erwachsenen gespannt ist, die vielleicht schon mehr wissen. (Denise Oswaldi) Ich war sehr erstaunt, als er erzählte, dass die Menschen nicht wirklich Angst hatten und es für sie damals schon fast zum „Alltag“ gehörte, wenn Soldaten über die Straße gingen oder Überfälle stattfanden. Herr Mori sagte ebenfalls, dass er nur auf seine Einberufung gewartet hatte und sein Schicksal ohne irgendetwas einfach so hinnahm.
Ich habe immer gedacht, dass die Menschen in Kärnten zu der damaligen Zeit wussten, dass es Konzentrationslager gibt und genau darüber informiert waren, doch der Zeitzeuge erzählte uns genau das Gegenteil. Auch das schockierte mich, dass manche imstande waren, ihre eigenen Familienmitglieder zu verraten, wenn sie sogenannte „verbotene“ Radiosender horchten.
Alles in Allem kann ich sagen, dass es beeindruckend war, mit solch einem Menschen zu sprechen und über seine persönlichen Erfahrungen zu erfahren. Ich finde diesen Mann sehr bewundernswert, da er heute über alles reden kann und es auch mit der jüngeren Generation wirklich teilt. (Stefanie Kosche) Hiermit möchte ich Herrn Mory nochmals offiziell im Namen der ganzen Klasse 8b dafür danken, dass er uns tapfer und ehrlich von seinen Erfahrungen berichtete. (Denise Oswaldi)

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